Wie
fang ich an, wo will ich hin?
Ja.
Ich bin ein klitzekleines bisschen in Zeitverzug.
Aber
das ist ja mittlerweile auch schon Gewohnheit.
Wenn
ihr jetzt alles lesen wollt,
dann
werdet ihr aber bestimmt in Zeitnot kommen,
denn
es ist viel passiert und ich hab versucht,
mein
Bestes zu geben, euch einen kleinen Einblick davon zu vermitteln.
Damit's leichter wird gibt’s Kapitel, dann könnt ihr quasi den
Überschriften nach entscheiden ob's euch wert ist, das jeweilige
Kapitel zu lesen... :p
Kapitel
1 – 10 Stunden Richtung
Westen.
Anfang
April (7.-12.4.) hatten Katha und ich die eigentlich nicht geglaubte
Chance, mit einer der anderen Gemeinden (C.E.M. - Charismatic
Evangelistic Ministry) in denen ein Pais-Team ist (daraus waren Atsu
Kofi (GH; Küchenundsonstigesheld) und Sabina (DE;
Obruniallzweckheld) mit), in die Western Region auf einen Outreach zu
fahren. Genauer: nach Asankrangwa (bitte versucht, das auszusprechen
und ein Hörbeispiel hochzuladen, damit wir alle was zu lachen
haben!). Eigentlich müsste ich alleine darüber hunderte von Seiten
schreiben; nicht mal eine Woche wars doch die hatte es wirklich in
sich...:
Montag
nach, bzw. während 10 Stunden Busfahrt (die einem nach dem sonstigen
ganzen im Trotrorumgesitze hier wie höchstens 3 vorkamen) war das
erste was wir feststellten: Ghana kann so schön sein! Ghana ist
Grün! Davon sieht man hier in der Stadt halt leider nicht so viel.
Der
erste Abend war gleich irgendwie überwältigend: das Team allein
bestand aus knapp 500 Leuten (zu viele wenn ihr mich fragt) und die
mussten erstmal gefüttert und in ihre Domizile verfrachtet werden.
Gar nicht so einfach. Gleich wieder festgestellt: Frauen sind echt
anstrengend! Oooooh. Da wurde gekämpft, gekeift, gejammert,
geschrien... und Matratzen geklaut. Warn halt zu wenig. Das deswegen
die Obrunis auf dem Boden geschlafen haben, hat uns hinterher auch
keiner geglaubt. Aber das nur am Rande. :D
Dienstag
gings dann richtig los. Also eigentlich. Die r i e s e n Bühne für
die Abendgottesdienste musste aufgebaut werden. Aber das können ja
nur Männer. Also saßen alle Frauen nur rum und haben gar nichts
gemacht. Ein bisschen nervig. Sabina und ich haben den Tag aber am
Ende doch noch ein wenig nutzen können. Wir haben spontan gut 2
Stunden einfach mit Kindern aus der Gegend gespielt und sogar Freunde
gefunden, die die ganze Woche über immer wieder zu uns kamen.
Abends
war dann der erste riesen Open-Air-Gottesdienst mit tausenden von
Leuten aus der Gegend und den umliegenden Dörfern. Weil wir
nachmittags beobachtet worden waren und wir so gut wiederzuerkennen
sind (das liegt aber natürlich NICHT an unserer Hautfarbe!), wurden
wir als Hilfe zum Kinderprogramm dazu geholt und haben dort mit denen
gesungen und getanzt. Auch später in der Lobpreiszeit, die ja hier
IMMER irgendwie mit Tanzen verbunden ist, haben wir einfach mit den
Kindern zusammen tanzend Gott gelobt – das war einfach nur genial.
Mittwoch
nach 3 Stunden Schlaf gings dann auch direkt weiter. Erst mit
gemeinsamen Gebet im Morgengrauen mit einem atemberaubenden
Sonnenaufgang hinter den Bergen als Kulisse und dann mit dem Aufbau
für den Tag: Kleiderverteilung stand an. Ein ganzer Laster voll mit
Anziehklamotten wartete darauf ausgepackt, sortiert und schließlich
ausgeteilt zu werden – da kam echt einiges Interessantes ans
Tageslicht..
Und
dann kamen auch schon die Leute: In Schlangen standen sie stundenlang
in der prallen Sonne, um 3 umkämpfte Kleidungsstücke zu ergattern.
Das war irgendwie echt krass mit anzusehen und hat mich ganz schön
ins Nachdenken gebracht: wie oft schon hab ich meine Kleidung zuhause
verschmäht, weil ich sie schon zu lange im Besitz ihrer war und die
Menschen dort haben sich teilweise fast um 3 Secondhandteile
gekloppt...? Wieder mal eine Situation, in der ich sehr dankbar und
sehr beschämt zugleich war.
Der
Gottesdienst dieses abends war bestimmt auch richtig gut – leider
haben sowohl Katha und Sabina als auch ich ihn eher verschlafen nach
dem wenigen Schlaf der letzten 2einhalb Tage und dem doch recht
anstrengenden Tag: zum Glück wars ja dunkel und anders als bei uns
in der Gemeinde nicht alles mit Kameras voll, so haben es trotz
unsere Obrunidaseins die Wenigsten mitbekommen... ;)
Donnerstag
fing jetzt auch nicht mit zwangsläufig mehr Schlaf an, auch wenn wir
diese Nacht in einem neuen Quartier, diesmal mit Matratze, dafür
aber mit rund 50 Frauen in einem Raum, verbracht haben. Allerdings
hatten wir keine Lust auf das Rumgesitze am morgen der
vorangegangenen Tage und haben uns entschlossen, dem Küchenteam bei
der Versorgung des 500köpfigen Teams ein wenig zur Seite zu stehen
und hatten dort auch sehr viel Freude, weil wir „Kitchenhonkies“
(„honkie“ = „weiß“ auf Fanti, noch ne Ghanasprache) halt
leider nicht so viel verstanden haben aber uns mal wieder alle
heiraten wollten.. :D Dann mit zum Frühstückverteilen (Attraktion:
die Obrunis arbeiten!) und danach stundenlang abgewaschen, weil es ja
wirklich sehr schwierig ist, schnell mal seine Schüssel+Becher
abzuwaschen... -.- (noch größere Attraktion: die Obrunis arbeiten
noch mehr, da kann man ja ruhig mal filmen und fotographieren) so
ging das auf jeden Fall den ganzen Tag weiter; wo auch immer wir
angepackt haben (an diesem Tag waren Essen und Haushaltsgegenstände
dran mit verteilt werden und so), waren Leute sehr erstaunt darüber
(was ich ehrlich gesagt sehr schade fand, denn dafür warn wir doch
da?!). Trotzdem hatten wir auf jeden Fall unseren Spaß und das
Gefühl, wenigsten ein kleiner Segen für Asankrangwa sein zu können.
:)
Wie
schon die vorherigen Abende ging dieser mit einem riesen
Gottesdienst, riesiger als die anderen, zu Ende und auch wie schon
bei den vorherigen war er einfach genial und hat wieder mal gezeigt,
wie genial Gott ist: leider war ich fast wieder zu müde, um wirklich
zu chekken, was abging: hunderte Menschen mit verschiedensten
Krankheiten und Leiden sind jeden Abend nach einer fetten Gebetszeit
gesund und ohne Schmerzen nach Hause zurück gekehrt!! Halleluja! :)
Das war echt unbegreiflich genial!
Freitag
war der letzte offizielle Tag und wahrscheinlich auch der krasseste:
Free Medical Care! Da haben tausende Menschen den ganzen Tag darauf
gewarte, vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben einen Arzt zu
besuchen. Der ganze Platz und die daneben liegende Schule wurden
kurzerhand zu einem riesigen Krankenhaus umgebaut und einfach überall
waren Menschen. Zig Ärzte haben zig Krankheiten behandelt; eine
riesen Apotheke mit unglaublicher Auswahl an Medikamenten wartete
darauf, die diagnostizierten Krankheiten zu bekämpfen; rund 1500
Kinder wurden entwurmt und, und, und...
Anfang
des Tages haben wir wieder mal bei unseren Küchenfreunden vorbei
geguckt und von da aus durften wir etwas weiteres kuhles erleben:
Jeden Tag sind Busse in alle möglichen Richtungen gefahren um
Menschen aus den Dörfern zu dem Platz zu fahren, an dem alles statt
gefunden hat und Freitag durften wir eine Tour mitfahren. Da sieht
Ghana dann echt noch mal ganz anders aus, wahrscheinlich mehr so wie
viele Europäer sich „Afrika“ vorstellen (ich möchte hier
übrigens nirgends Leute in einen Topf werfen; jeder hat andere
Vorstellungen und „Afrika“ ist nun mal ein Kontinent, da siehts
auch überall anders aus!). ;)
Auf
jeden Fall war es krass, das zu sehen; so noch einmal einen ganz
anderen Einblick zu bekommen; zu sehen, wie die Kakaobauern hier
leben und arbeiten (ernsthaft Freunde: noch nicht mal 70€ für
60Kilogramm unglaublich leichter Kakaobohnen die mit wochenlanger
Arbeit verbunden sind sind eigentlich wirklich nur schwierig in
unserem Schokoladenkonsum vertretbar... :/ ).
Insgesamt
war ich aber einfach nur mega begeistert von Gottes Kreativität, von
Seiner Schöpfung: die Landschaft... oh Freunde, die Landschaft...!
:)
Der
Free Medical Care sollte gegen 18:00 zu Ende sein, ein Ende war da
allerdings noch lange nicht in Sicht, bis der Platz einfach spontan
und sehr radikal schnell leer war: Regen und Ghanaer verstehen sich
nicht sonderlich gut.. :D Der Regen war allerdings auch eher ein
Stürmchen, da flogen Zelte, Stühle, Medikamente umher und ein
Platzregen hat auch den eigentlich recht trockenen Boden schnell in
eine Seenlandschaft verwandelt. Schnell waren leider nicht nur die am
Tag behandelten (oder blöderweise immer noch wartenden Menschen)
weg, sondern auch rund 95% der Helfer wie vom Erdboden verschluckt...
Wir drei Obrunis dagegen hatten unseren Spaß: endlich mal wieder
richtig mit anpacken und dazu noch mit absolut überdrehter guter
Laune im Regen tanzen und schöne Regenlieder singen... So wirklich
völlig frei hab ich mich lange nicht mehr gefühlt, auch wenn der
Matsch dauernd versucht hat meine Füße, bzw meine FlipFlops
(absolut richtiges Schuhwerk!) an den Boden zu fesseln... :D Das war
auf jeden Fall ein irgendwie perfekter Abschluss für eine Woche, die
mich unglaublich geprägt, aufgeregt, zum Nachdenken gebracht,
erfreut, herausgefordert, müde gemacht und vor allem ein absolut
unvergessliches Erlebnis in meinen Kopf und mein Herz gezaubert hat!
:)
Samstag
schön wieder 10 Stunden zurück. Aber die hab ich eher verschlafen.
→
mehr/anderer Blickwinkel/Bildeindrücke ist auf Sabinas Blog
(da rechts → )
nachzulesen,
das ist schließlich ihre Gemeinde!
Kapitel
2 – Geburtstage sind
auch normale Tage, oder?!
Erstmal:
DANKE für all die lieben Worte, Glückwünsche, Anrufe, Karten,
Päckchen etc. etc.: auch wenn ich vieles erst im Nachhinein lesen
konnte hab ich mich wirklich sehr darüber gefreut!
Wie
ihr vielleicht am Datum der Crusade sehen könnt, hab ich meinen
Geburtstag dieses Jahr mal so ganz und zwar wirklich komplett anders
als gewohnt erleben dürfen. (Joo, Abiklausur letztes Jahr am
Geburtstag war auch schon ein Erlebnis.. haha) Die Kleiderverteilung
und alles Beschäftigtsein drumherum haben dazu geführt, dass ich
oft einfach vergessen hab, dass ich ja Geburtstag hab. Leider haben
es auch am Tag selber viele der Ghanaer, die es nachts als Katha und
Bina noch schön für mich gesungen haben, mitbekommen haben, wieder
vergessen. Warum leider? Ich hab halt ein bisschen geschwitzt beim
Arbeiten bei 35° und in Ghana werden Geburtstagskinder immer von
allen komplett mit Pure Water geduscht – das hätte ich gebrauchen
können, hat aber keiner wirklich gemacht. :D
Auf
jeden Fall werd ich diesen Tag in Erinnerung behalten, denn es war
einfach eine wirklich krasse Erfahrung und Spaß hatten wir auch
ziemlich viel hinter und unter den Bergen von Kleidern.
Oh.
Und habt ihr eigentlich schonmal an eurem Geburtstag in einem
Internat einfach hinter einem Haus geduscht?
Kapitel
3 – Ferienzeit
nanananana.
Wir
hatten tatsächlich nach Ostern mal ne Woche Ferien! Ferien = Touri.
Zumindest für kurz.
Zwei Tage Cape Coast (größte Touri- und
Freiwilligenanlaufstelle in Ghana, da sind überall Obrunis! und trotzdem noch ein bisschen Charme eines alten Fischerdorfes, was es eigentlich mal war) in
einem von deutschen geführten vegetarischen Hostel, das mit einer
Schule connectet ist. Da arbeiten auch Freiwillige, von denen wir
auch einige ein bisschen kennen gelernt haben. An sich ein ziemlich
kuhles Projekt →Baobab House.
Dort
konnte man tatsächlich mal ein wenig entspannen, wenngleich der
Schlaf natürlich trotzdem irgendwie ein bisschen zu kurz gekommen
ist
Auch
hab ich ein wenig versucht,
meine Höhenangst zu überwinden im
Das war ein ziemlich großer
Spaß, alleine weil ich mich so schön über mich selbst und meine
Angst lustig machen konnte.
Insgesamt
zwei wirklich schöne Tage
mit
wirklich schönen Menschen
und
wirklich schönen Gesprächen.
Kapitel
4 – Ein Patenkind, das
nicht meins ist.
In
den Ferien hab ich eine weitere Möglichkeit bekommen, noch etwas
mehr von Ghana sehen zu können und das auf ziemlich emotionale und
ziemlich schöne Art und Weise. Sabina unterstützt nämlich seit
knapp 3 Jahren über „Compassion“ ein Mädchen in der Central
Region Ghanas und hat tatsächlich die Chance gehabt, dieses zu
besuchen.
Einerseits für die Fotos, andererseits einfach um diesen
in Erfüllung gehenden Traum zu teilen, haben Atsu (ihr Teammember)
und ich sie begleitet. Wiedermal hat die unglaubliche Grünheit
Ghanas uns schon auf dem Weg zum Staunen und Genießen gebracht, auch
wenn die Fahrt einer Achterbahnfahrt gleich kam: Weder Schlagkrater,
noch staubige und absolut nicht einsichtige „Straßen“ lassen
einen ghanaischen Trotrofahrer das Tempo drosseln, aber zum Glück
bin ich ja nicht zum Sterben hier. Ganz ghanaisch zwei Stunden später
als geplant sind wir dann in Breman Benin an der Hauptstation
angekommen und wurden direkt von einem Mitarbeiter von Compassion
begrüßt und weiter gings nach etwas Außerhalb in das Dorf, in dem
Sabinas Patenkind mit Mutter und Geschwistern lebt. Erwartet hatten
wir ein Kennenlernen der Familie und vielleicht einen Rundgang zu
Schule und Zuhause, erlebt haben wir einen überaus herzlichen
Empfang des gesamten Dorfes in der Kirche mit gegenseitigem
Vorstellen (Es ist immer wieder schön, wie man Menschen alleine
dadurch, dass man einige Brocken ihrer Sprache in den Raum wirft,
eine Freude machen kann!) etc. was wirklich überwältigend war!
Alleine das Verhältnis von Lebensumständen und Gastfreundschaft
erleben zu dürfen war ein wirklicher Segen und ich bin mehr als
dankbar, dass ich ein Teil davon sein durfte! Auch zu sehen, dass man mit einem bei uns vielleicht gar nicht so utopischem Geldbetrag dafür sorgen kann, dass ein Kind zur Schule gehen kann, welches sonst nicht zwangsläufig das Privileg hätte, hat mich zum Nachdenken gebracht.
→
auch dazu ist natürlich mehr auf Sabinas Blog
(da
rechts → )
nachzulesen,
ist schließlich ihr Patenkind! :)
Kapitel
5 – Eine Schwester, die
wiederum meine ist.
Oke.
Das
war jetzt wirklich mal ein klitzekleines bisschen mehr.
Wenn
Du Dir tatsächlich die Zeit genommen hast, alles zu lesen, hoffe
ich, dass vielleicht manches auch Dich zum Nachdenken gebracht hat
und Du es nicht abgrundtief langweilig fandest, was ich hier so zu
berichten habe.
Wenn
Du nicht alles gelesen hast, darfst Du das natürlich gerne später
nachholen oder auch nicht, hier wird schließlich niemand zu
irgendwas gezwungen.
Wenn
Du beim Lesen oder Nichtlesen irgendwelche Fragen, Wünsche,
Anregungen, Lobsagungen, Beschwerden oder Sonstiges hast aufkommen
lassen, darfst Du mir gerne eine Mail schreiben oder Dich sonstwie
melden.
Das
wars vorerst von mir, mal sehen, wie oft ich mich noch melde, bevor
es mich wieder auf deutschen Boden verschlägt.
Bis
dahin: Seid gesegnet und seid ein Segen für Andere! ;)
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