Donnerstag, 22. Mai 2014

Irgendwie alles ein bisschen.

Wie fang ich an, wo will ich hin?

Ja. Ich bin ein klitzekleines bisschen in Zeitverzug.

Aber das ist ja mittlerweile auch schon Gewohnheit.

Wenn ihr jetzt alles lesen wollt,

dann werdet ihr aber bestimmt in Zeitnot kommen,

denn es ist viel passiert und ich hab versucht,

mein Bestes zu geben, euch einen kleinen Einblick davon zu vermitteln. Damit's leichter wird gibt’s Kapitel, dann könnt ihr quasi den Überschriften nach entscheiden ob's euch wert ist, das jeweilige Kapitel zu lesen... :p





Kapitel 1 – 10 Stunden Richtung Westen.

Anfang April (7.-12.4.) hatten Katha und ich die eigentlich nicht geglaubte Chance, mit einer der anderen Gemeinden (C.E.M. - Charismatic Evangelistic Ministry) in denen ein Pais-Team ist (daraus waren Atsu Kofi (GH; Küchenundsonstigesheld) und Sabina (DE; Obruniallzweckheld) mit), in die Western Region auf einen Outreach zu fahren. Genauer: nach Asankrangwa (bitte versucht, das auszusprechen und ein Hörbeispiel hochzuladen, damit wir alle was zu lachen haben!). Eigentlich müsste ich alleine darüber hunderte von Seiten schreiben; nicht mal eine Woche wars doch die hatte es wirklich in sich...:

Montag nach, bzw. während 10 Stunden Busfahrt (die einem nach dem sonstigen ganzen im Trotrorumgesitze hier wie höchstens 3 vorkamen) war das erste was wir feststellten: Ghana kann so schön sein! Ghana ist Grün! Davon sieht man hier in der Stadt halt leider nicht so viel.

Der erste Abend war gleich irgendwie überwältigend: das Team allein bestand aus knapp 500 Leuten (zu viele wenn ihr mich fragt) und die mussten erstmal gefüttert und in ihre Domizile verfrachtet werden. Gar nicht so einfach. Gleich wieder festgestellt: Frauen sind echt anstrengend! Oooooh. Da wurde gekämpft, gekeift, gejammert, geschrien... und Matratzen geklaut. Warn halt zu wenig. Das deswegen die Obrunis auf dem Boden geschlafen haben, hat uns hinterher auch keiner geglaubt. Aber das nur am Rande. :D

Dienstag gings dann richtig los. Also eigentlich. Die r i e s e n Bühne für die Abendgottesdienste musste aufgebaut werden. Aber das können ja nur Männer. Also saßen alle Frauen nur rum und haben gar nichts gemacht. Ein bisschen nervig. Sabina und ich haben den Tag aber am Ende doch noch ein wenig nutzen können. Wir haben spontan gut 2 Stunden einfach mit Kindern aus der Gegend gespielt und sogar Freunde gefunden, die die ganze Woche über immer wieder zu uns kamen.



Abends war dann der erste riesen Open-Air-Gottesdienst mit tausenden von Leuten aus der Gegend und den umliegenden Dörfern. Weil wir nachmittags beobachtet worden waren und wir so gut wiederzuerkennen sind (das liegt aber natürlich NICHT an unserer Hautfarbe!), wurden wir als Hilfe zum Kinderprogramm dazu geholt und haben dort mit denen gesungen und getanzt. Auch später in der Lobpreiszeit, die ja hier IMMER irgendwie mit Tanzen verbunden ist, haben wir einfach mit den Kindern zusammen tanzend Gott gelobt – das war einfach nur genial.

Mittwoch nach 3 Stunden Schlaf gings dann auch direkt weiter. Erst mit gemeinsamen Gebet im Morgengrauen mit einem atemberaubenden Sonnenaufgang hinter den Bergen als Kulisse und dann mit dem Aufbau für den Tag: Kleiderverteilung stand an. Ein ganzer Laster voll mit Anziehklamotten wartete darauf ausgepackt, sortiert und schließlich ausgeteilt zu werden – da kam echt einiges Interessantes ans Tageslicht..


Und dann kamen auch schon die Leute: In Schlangen standen sie stundenlang in der prallen Sonne, um 3 umkämpfte Kleidungsstücke zu ergattern. Das war irgendwie echt krass mit anzusehen und hat mich ganz schön ins Nachdenken gebracht: wie oft schon hab ich meine Kleidung zuhause verschmäht, weil ich sie schon zu lange im Besitz ihrer war und die Menschen dort haben sich teilweise fast um 3 Secondhandteile gekloppt...? Wieder mal eine Situation, in der ich sehr dankbar und sehr beschämt zugleich war.

Der Gottesdienst dieses abends war bestimmt auch richtig gut – leider haben sowohl Katha und Sabina als auch ich ihn eher verschlafen nach dem wenigen Schlaf der letzten 2einhalb Tage und dem doch recht anstrengenden Tag: zum Glück wars ja dunkel und anders als bei uns in der Gemeinde nicht alles mit Kameras voll, so haben es trotz unsere Obrunidaseins die Wenigsten mitbekommen... ;)

Donnerstag fing jetzt auch nicht mit zwangsläufig mehr Schlaf an, auch wenn wir diese Nacht in einem neuen Quartier, diesmal mit Matratze, dafür aber mit rund 50 Frauen in einem Raum, verbracht haben. Allerdings hatten wir keine Lust auf das Rumgesitze am morgen der vorangegangenen Tage und haben uns entschlossen, dem Küchenteam bei der Versorgung des 500köpfigen Teams ein wenig zur Seite zu stehen und hatten dort auch sehr viel Freude, weil wir „Kitchenhonkies“ („honkie“ = „weiß“ auf Fanti, noch ne Ghanasprache) halt leider nicht so viel verstanden haben aber uns mal wieder alle heiraten wollten.. :D Dann mit zum Frühstückverteilen (Attraktion: die Obrunis arbeiten!) und danach stundenlang abgewaschen, weil es ja wirklich sehr schwierig ist, schnell mal seine Schüssel+Becher abzuwaschen... -.- (noch größere Attraktion: die Obrunis arbeiten noch mehr, da kann man ja ruhig mal filmen und fotographieren) so ging das auf jeden Fall den ganzen Tag weiter; wo auch immer wir angepackt haben (an diesem Tag waren Essen und Haushaltsgegenstände dran mit verteilt werden und so), waren Leute sehr erstaunt darüber (was ich ehrlich gesagt sehr schade fand, denn dafür warn wir doch da?!). Trotzdem hatten wir auf jeden Fall unseren Spaß und das Gefühl, wenigsten ein kleiner Segen für Asankrangwa sein zu können. :)

Wie schon die vorherigen Abende ging dieser mit einem riesen Gottesdienst, riesiger als die anderen, zu Ende und auch wie schon bei den vorherigen war er einfach genial und hat wieder mal gezeigt, wie genial Gott ist: leider war ich fast wieder zu müde, um wirklich zu chekken, was abging: hunderte Menschen mit verschiedensten Krankheiten und Leiden sind jeden Abend nach einer fetten Gebetszeit gesund und ohne Schmerzen nach Hause zurück gekehrt!! Halleluja! :) Das war echt unbegreiflich genial!

Freitag war der letzte offizielle Tag und wahrscheinlich auch der krasseste: Free Medical Care! Da haben tausende Menschen den ganzen Tag darauf gewarte, vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben einen Arzt zu besuchen. Der ganze Platz und die daneben liegende Schule wurden kurzerhand zu einem riesigen Krankenhaus umgebaut und einfach überall waren Menschen. Zig Ärzte haben zig Krankheiten behandelt; eine riesen Apotheke mit unglaublicher Auswahl an Medikamenten wartete darauf, die diagnostizierten Krankheiten zu bekämpfen; rund 1500 Kinder wurden entwurmt und, und, und...

Anfang des Tages haben wir wieder mal bei unseren Küchenfreunden vorbei geguckt und von da aus durften wir etwas weiteres kuhles erleben: Jeden Tag sind Busse in alle möglichen Richtungen gefahren um Menschen aus den Dörfern zu dem Platz zu fahren, an dem alles statt gefunden hat und Freitag durften wir eine Tour mitfahren. Da sieht Ghana dann echt noch mal ganz anders aus, wahrscheinlich mehr so wie viele Europäer sich „Afrika“ vorstellen (ich möchte hier übrigens nirgends Leute in einen Topf werfen; jeder hat andere Vorstellungen und „Afrika“ ist nun mal ein Kontinent, da siehts auch überall anders aus!). ;)


Auf jeden Fall war es krass, das zu sehen; so noch einmal einen ganz anderen Einblick zu bekommen; zu sehen, wie die Kakaobauern hier leben und arbeiten (ernsthaft Freunde: noch nicht mal 70€ für 60Kilogramm unglaublich leichter Kakaobohnen die mit wochenlanger Arbeit verbunden sind sind eigentlich wirklich nur schwierig in unserem Schokoladenkonsum vertretbar... :/ ).



Insgesamt war ich aber einfach nur mega begeistert von Gottes Kreativität, von Seiner Schöpfung: die Landschaft... oh Freunde, die Landschaft...! :)

Der Free Medical Care sollte gegen 18:00 zu Ende sein, ein Ende war da allerdings noch lange nicht in Sicht, bis der Platz einfach spontan und sehr radikal schnell leer war: Regen und Ghanaer verstehen sich nicht sonderlich gut.. :D Der Regen war allerdings auch eher ein Stürmchen, da flogen Zelte, Stühle, Medikamente umher und ein Platzregen hat auch den eigentlich recht trockenen Boden schnell in eine Seenlandschaft verwandelt. Schnell waren leider nicht nur die am Tag behandelten (oder blöderweise immer noch wartenden Menschen) weg, sondern auch rund 95% der Helfer wie vom Erdboden verschluckt... Wir drei Obrunis dagegen hatten unseren Spaß: endlich mal wieder richtig mit anpacken und dazu noch mit absolut überdrehter guter Laune im Regen tanzen und schöne Regenlieder singen... So wirklich völlig frei hab ich mich lange nicht mehr gefühlt, auch wenn der Matsch dauernd versucht hat meine Füße, bzw meine FlipFlops (absolut richtiges Schuhwerk!) an den Boden zu fesseln... :D Das war auf jeden Fall ein irgendwie perfekter Abschluss für eine Woche, die mich unglaublich geprägt, aufgeregt, zum Nachdenken gebracht, erfreut, herausgefordert, müde gemacht und vor allem ein absolut unvergessliches Erlebnis in meinen Kopf und mein Herz gezaubert hat! :)

Samstag schön wieder 10 Stunden zurück. Aber die hab ich eher verschlafen.


→ mehr/anderer Blickwinkel/Bildeindrücke ist auf Sabinas Blog (da rechts → )

nachzulesen, das ist schließlich ihre Gemeinde!




Kapitel 2 – Geburtstage sind auch normale Tage, oder?!

Erstmal: DANKE für all die lieben Worte, Glückwünsche, Anrufe, Karten, Päckchen etc. etc.: auch wenn ich vieles erst im Nachhinein lesen konnte hab ich mich wirklich sehr darüber gefreut!

Wie ihr vielleicht am Datum der Crusade sehen könnt, hab ich meinen Geburtstag dieses Jahr mal so ganz und zwar wirklich komplett anders als gewohnt erleben dürfen. (Joo, Abiklausur letztes Jahr am Geburtstag war auch schon ein Erlebnis.. haha) Die Kleiderverteilung und alles Beschäftigtsein drumherum haben dazu geführt, dass ich oft einfach vergessen hab, dass ich ja Geburtstag hab. Leider haben es auch am Tag selber viele der Ghanaer, die es nachts als Katha und Bina noch schön für mich gesungen haben, mitbekommen haben, wieder vergessen. Warum leider? Ich hab halt ein bisschen geschwitzt beim Arbeiten bei 35° und in Ghana werden Geburtstagskinder immer von allen komplett mit Pure Water geduscht – das hätte ich gebrauchen können, hat aber keiner wirklich gemacht. :D

Auf jeden Fall werd ich diesen Tag in Erinnerung behalten, denn es war einfach eine wirklich krasse Erfahrung und Spaß hatten wir auch ziemlich viel hinter und unter den Bergen von Kleidern.

Oh. Und habt ihr eigentlich schonmal an eurem Geburtstag in einem Internat einfach hinter einem Haus geduscht?




Kapitel 3 – Ferienzeit nanananana.

Wir hatten tatsächlich nach Ostern mal ne Woche Ferien! Ferien = Touri. Zumindest für kurz. 


Zwei Tage Cape Coast (größte Touri- und Freiwilligenanlaufstelle in Ghana, da sind überall Obrunis! und trotzdem noch ein bisschen Charme eines alten Fischerdorfes, was es eigentlich mal war) in einem von deutschen geführten vegetarischen Hostel, das mit einer Schule connectet ist. Da arbeiten auch Freiwillige, von denen wir auch einige ein bisschen kennen gelernt haben. An sich ein ziemlich kuhles Projekt →Baobab House.

Dort konnte man tatsächlich mal ein wenig entspannen, wenngleich der Schlaf natürlich trotzdem irgendwie ein bisschen zu kurz gekommen ist
(zum Beispiel für nen Sonnenaufgang am Strand, der leider wegen einiger Wölkchen mehr „oh, da ist ja schon die Sonne“ war). 








 
Auch hab ich ein wenig versucht, 
meine Höhenangst zu überwinden im
Kakum-Nationalpark: HÄNGEBRÜCKEN!
Das war ein ziemlich großer Spaß, alleine weil ich mich so schön über mich selbst und meine Angst lustig machen konnte.



Insgesamt zwei wirklich schöne Tage

mit wirklich schönen Menschen

und wirklich schönen Gesprächen.









Kapitel 4 – Ein Patenkind, das nicht meins ist.

In den Ferien hab ich eine weitere Möglichkeit bekommen, noch etwas mehr von Ghana sehen zu können und das auf ziemlich emotionale und ziemlich schöne Art und Weise. Sabina unterstützt nämlich seit knapp 3 Jahren über „Compassion“ ein Mädchen in der Central Region Ghanas und hat tatsächlich die Chance gehabt, dieses zu besuchen.
Einerseits für die Fotos, andererseits einfach um diesen in Erfüllung gehenden Traum zu teilen, haben Atsu (ihr Teammember) und ich sie begleitet. Wiedermal hat die unglaubliche Grünheit Ghanas uns schon auf dem Weg zum Staunen und Genießen gebracht, auch wenn die Fahrt einer Achterbahnfahrt gleich kam: Weder Schlagkrater, noch staubige und absolut nicht einsichtige „Straßen“ lassen einen ghanaischen Trotrofahrer das Tempo drosseln, aber zum Glück bin ich ja nicht zum Sterben hier. Ganz ghanaisch zwei Stunden später als geplant sind wir dann in Breman Benin an der Hauptstation angekommen und wurden direkt von einem Mitarbeiter von Compassion begrüßt und weiter gings nach etwas Außerhalb in das Dorf, in dem Sabinas Patenkind mit Mutter und Geschwistern lebt. Erwartet hatten wir ein Kennenlernen der Familie und vielleicht einen Rundgang zu Schule und Zuhause, erlebt haben wir einen überaus herzlichen Empfang des gesamten Dorfes in der Kirche mit gegenseitigem Vorstellen (Es ist immer wieder schön, wie man Menschen alleine dadurch, dass man einige Brocken ihrer Sprache in den Raum wirft, eine Freude machen kann!) etc. was wirklich überwältigend war! Alleine das Verhältnis von Lebensumständen und Gastfreundschaft erleben zu dürfen war ein wirklicher Segen und ich bin mehr als dankbar, dass ich ein Teil davon sein durfte!
Auch zu sehen, dass man mit einem bei uns vielleicht gar nicht so utopischem Geldbetrag dafür sorgen kann, dass ein Kind zur Schule gehen kann, welches sonst nicht zwangsläufig das Privileg hätte, hat mich zum Nachdenken gebracht.








 → auch dazu ist natürlich mehr auf Sabinas Blog

(da rechts → )

nachzulesen, ist schließlich ihr Patenkind! :)


 

Kapitel 5 – Eine Schwester, die wiederum meine ist.

Was soll ich da groß sagen. Dass ich ne Schwester hab, wissen wahrscheinlich die meisten von euch. ABER sie ist nicht nur mein Schwesterherz; SIE WAR HIER... Als Kurzurlaub an eine Konferenz in Accra angehängt, konnte mein Leolein mal einen Hauch meines Lebens hier einfangen. Wenn auch nur ein Wochenende, haben wir die Zeit zusammen sehr genossen und beschlossen, dass „Schwestern-zusammen-in-Africa“ irgendwann irgendwie wiederholt werden sollte. :) 
 




(nur ein kleiner Strandeinblick: )











Oke.

Das war jetzt wirklich mal ein klitzekleines bisschen mehr.

Wenn Du Dir tatsächlich die Zeit genommen hast, alles zu lesen, hoffe ich, dass vielleicht manches auch Dich zum Nachdenken gebracht hat und Du es nicht abgrundtief langweilig fandest, was ich hier so zu berichten habe.

Wenn Du nicht alles gelesen hast, darfst Du das natürlich gerne später nachholen oder auch nicht, hier wird schließlich niemand zu irgendwas gezwungen.

Wenn Du beim Lesen oder Nichtlesen irgendwelche Fragen, Wünsche, Anregungen, Lobsagungen, Beschwerden oder Sonstiges hast aufkommen lassen, darfst Du mir gerne eine Mail schreiben oder Dich sonstwie melden.

Das wars vorerst von mir, mal sehen, wie oft ich mich noch melde, bevor es mich wieder auf deutschen Boden verschlägt.

Bis dahin: Seid gesegnet und seid ein Segen für Andere! ;)


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