Wer mich ein bisschen kennt, der weiß
vielleicht, dass ich nicht viel von Bussen und anderen öffentlichen
Verkehrsmitteln halte (das liegt zum einen sicher an den begrenzten
Möglichkeiten dessen in Celle und zum anderen an meiner selbst
eingeredeten Unfähigkeit, die öffentliche Verkehrswelt in
Großstädten alleine zu nutzen..) Generell. Ich mag deutsche oder
allgemeiner, europäische Großstädte, so ist das nicht. Nur hab ich
immer Angst, verloren zu gehen. Städtisch ein Orientierungssinn wie
ein Brot. Quasi. Und jetzt bin ich hier. In Tema, beziehungsweise
auch oft Accra. Vorzeigebild einer expandierenden afrikanischen
Großstadt. Laut. Voll. Unübersichtlich. Plastikversiegelt. Noch
lauter. Dreckig. Aufregend. Geruchsintensiv. Noch lauter. Verstopft.
Noch unübersichtlicher. Verwirrend. Noch lauter.
Und ob ihr es jetzt glaubt oder nicht:
Ich komme zurecht! Sogar alleine. ;)
- Folgen wird nun eine kleine, feine,
gegebenenfalls etwas
amüsante Schilderung der ghanaischen Höflichkeit
einerseits
und den Folgen dessen andererseits. -
Montag, 09. Dezember 2013.
Ausgangsort für klein Carolinchen:
Tema, Community 19 (Tema: kleine Schwester von Accra)
Klein Carolinchen möchte sich mit
einigen der anderen Paislern, deren Domiziel sich in Accra befindet,
in einem Teil Accras treffen, den es noch nicht kennt und an den es
von Zuhause aus sicherlich noch nie alleine gefahren ist. Aber klein
Carolinchen fühlt sich mittlerweile so sicher, dass es sich
aufmacht, die Reise zu wagen. Bis zum zweiten Umsteigen geht alles
gut; bis dahin ist der Weg bekannt. Doch dann: Etwas verloren
plädiert klein Carolinchen auf die Hilfsbereitschaft der Ghanaer und
versucht, das richtige Trotro ausfindig zu machen. Nach mehrmaligem
Nachfragen bei verschiedensten Personen, landet unser Carolinchen
also in einem noch nicht so recht gefüllten Trotro und fragt sich,
ob es wohl wirklich das Richtige sein mag. Erneutes Nachfragen soll
Gewissheit bringen. Bringt es aber anscheinend nicht. Als sich das
Trotro in Bewegung begibt, stellt sich schnell heraus: „Das scheint
mir nicht gänzlich die richtige, vielmehr aber die entgegengesetzte
Richtung zum gewünschten Ziel zu sein!“
(Anmerkung der Autorin: Im quasi
„Stadtkern“ Temas, das aus vielen aneinander gereihten Siedlungen
besteht, gibt es eine Trotrostation die „Tema“ bzw. „Tema/Tema
Station“ heißt. In Accra, der gut 20-30 km entfernten Hauptstadt
gibt es eine Trotrostation die „Accra/Tema Station“ heißt –
warum auch immer)
Trotz erwähntem mehrmaligem Nachfragen
merkt das kleine Carolinchen also schnell, dass es sich immer mehr in
Richtung Tema und immer weiter weg von Accra bewegt. Auch wenn die
Hoffnung zuletzt stirbt, die Richtung wird nicht richtiger. Als
unser Carolinchen merkt, dass daran nichts mehr zu rütteln ist,
entscheidet es sich dennoch, im besagten Trotro Richtung
„Tematematematemastationtematema“ und eben leider nicht im Trotro
Richtung „Accratemastationaccratemastaion“ sitzen zu bleiben, da
ein unüberlegtes Aussteigen schnell zu noch größerer Verwirrung
und Verlorenheit führen würde. Also wird der kurze Abstecher über
Tema, Community 1 in Kauf genommen. Dort angekommen macht sich klein
Carolinchen selbstbewusst auf den Weg, nun dann endlich das richtige
Trotro zu finden und begibt sich in die Fänge des Straßenverkehrs.
Der Weg: Unbekannt. Das Trotro: Nicht zu finden. Die Leute: zu viele.
Aber: der Weg ist das Ziel. Rumstehen hilft nichts, losgelaufen,
nachgefragt, siehe da: tatsächlich das richtige gefunden. Der Rest
der Geschichte: eher unspektakulär, generell aber mit
Wiederholungseffekt. Klein Carolinchen erreicht ihr Ziel und ihre
Freunde nach gut drei Stunden. Statt vielleicht einer/eineinhalb.
(Für eine Strecke, die man in Deutschland in knapp 20 Minuten
überwinden kann).
So. Der eigentliche Sinn dieser kleine
Anekdote aus meinem, ähm, klein Carolinchens hiesigem Leben liegt in
der Schlussfolgerung. Wie so oft im Leben.
Ich hätte:
- verzweifelt weinend zusammen brechen können.
- aufgeben und nach Hause umkehren können.
- mich verloren fühlen und dadurch verloren gehen können.
- etc./malt euch Schlimmeres aus, wenn ihr sonst nichts zu tun habt.
- innerlich gelacht. Ziemlich laut sogar.
- mich über den Atlantik gefreut, den ich so zu Gesicht bekam.
- die Zeit genossen, in der ich Ruhe hatte, da ich gar nichts anderes hätte tun können.
- die Stille (muhaha) genossen, da mein Handyakku zu gering zum Musikhören war.
- Mich gefreut, da mir Gegenteiliges auch wenig gebracht hätte.
- Die Zeit genutzt, Gott für all die kleinen Dinge zu danken (die Sonne; das Meer; mein Leben (gar nicht mal so klein); den bequemen Trotrositz; die Zeit, die ich hab; die Zeit, die ich hier im Allgemeinen genießen darf; die Leute, mit denen ich mich treffen darf; etc,etc,etc, da gibt’s immer ganz schön viele Kleinigkeiten...)
Und dann haben wir uns im Team in der
letzten Woche auch noch mit Psalm
103 „Lobe den Herrn“ beschäftig (was zu einem
Dauerohrwurm führte:10.000 Reasons) und ich fühlte mich in meinem Erlebten nur
bestätigt: Lobe den Herrn, egal was die äußeren Umstände sagen! Lobe den Herrn, Er weiß schon, was die
Lösung sein wird.
Lobe den Herrn, Er wird etwas Gutes
daraus entstehen lassen.
Lobe den Herrn, alles andere bringt Dir
grade sowieso nur schlechte Laune.
„Lobe den Herrn, meine Seele, und
seinen heiligen Namen!
Was er Dir Gutes getan hat, Seele,
vergiss es nicht! Amen.“
Oft fragen wir nur nach menschlichen
Lösungen (was mich in meinem Fall an einen uneingeplanten Ort
führte) und vergessen Gottes Pläne, die die oftmals besseren
Lösungen beinhalten, auch wenn das auf den ersten Blick nicht ganz
so offensichtlich scheint. Was man in so einem Moment machen kann und
vielleicht sogar sollte, hab ich versucht: Trotz allem, Lobe den
Herrn! Praise the Lord!
Und wie machst DU das so?
(Bilder im Allgemeinen folgen, wenn
mein klitzekleines Laptop – USB-Stick – Speicherkarten – Virus
– Problem behoben ist..)