Samstag, 14. Dezember 2013

klein Carolinchen in der Großstadtwelt.

Wer mich ein bisschen kennt, der weiß vielleicht, dass ich nicht viel von Bussen und anderen öffentlichen Verkehrsmitteln halte (das liegt zum einen sicher an den begrenzten Möglichkeiten dessen in Celle und zum anderen an meiner selbst eingeredeten Unfähigkeit, die öffentliche Verkehrswelt in Großstädten alleine zu nutzen..) Generell. Ich mag deutsche oder allgemeiner, europäische Großstädte, so ist das nicht. Nur hab ich immer Angst, verloren zu gehen. Städtisch ein Orientierungssinn wie ein Brot. Quasi. Und jetzt bin ich hier. In Tema, beziehungsweise auch oft Accra. Vorzeigebild einer expandierenden afrikanischen Großstadt. Laut. Voll. Unübersichtlich. Plastikversiegelt. Noch lauter. Dreckig. Aufregend. Geruchsintensiv. Noch lauter. Verstopft. Noch unübersichtlicher. Verwirrend. Noch lauter.
Und ob ihr es jetzt glaubt oder nicht: Ich komme zurecht! Sogar alleine. ;)

      - Folgen wird nun eine kleine, feine, gegebenenfalls etwas 
      amüsante Schilderung der ghanaischen Höflichkeit einerseits 
      und den Folgen dessen andererseits. -

Montag, 09. Dezember 2013.
Ausgangsort für klein Carolinchen: Tema, Community 19 (Tema: kleine Schwester von Accra)

Klein Carolinchen möchte sich mit einigen der anderen Paislern, deren Domiziel sich in Accra befindet, in einem Teil Accras treffen, den es noch nicht kennt und an den es von Zuhause aus sicherlich noch nie alleine gefahren ist. Aber klein Carolinchen fühlt sich mittlerweile so sicher, dass es sich aufmacht, die Reise zu wagen. Bis zum zweiten Umsteigen geht alles gut; bis dahin ist der Weg bekannt. Doch dann: Etwas verloren plädiert klein Carolinchen auf die Hilfsbereitschaft der Ghanaer und versucht, das richtige Trotro ausfindig zu machen. Nach mehrmaligem Nachfragen bei verschiedensten Personen, landet unser Carolinchen also in einem noch nicht so recht gefüllten Trotro und fragt sich, ob es wohl wirklich das Richtige sein mag. Erneutes Nachfragen soll Gewissheit bringen. Bringt es aber anscheinend nicht. Als sich das Trotro in Bewegung begibt, stellt sich schnell heraus: „Das scheint mir nicht gänzlich die richtige, vielmehr aber die entgegengesetzte Richtung zum gewünschten Ziel zu sein!“
(Anmerkung der Autorin: Im quasi „Stadtkern“ Temas, das aus vielen aneinander gereihten Siedlungen besteht, gibt es eine Trotrostation die „Tema“ bzw. „Tema/Tema Station“ heißt. In Accra, der gut 20-30 km entfernten Hauptstadt gibt es eine Trotrostation die „Accra/Tema Station“ heißt – warum auch immer)
Trotz erwähntem mehrmaligem Nachfragen merkt das kleine Carolinchen also schnell, dass es sich immer mehr in Richtung Tema und immer weiter weg von Accra bewegt. Auch wenn die Hoffnung zuletzt stirbt, die Richtung wird nicht richtiger. Als unser Carolinchen merkt, dass daran nichts mehr zu rütteln ist, entscheidet es sich dennoch, im besagten Trotro Richtung „Tematematematemastationtematema“ und eben leider nicht im Trotro Richtung „Accratemastationaccratemastaion“ sitzen zu bleiben, da ein unüberlegtes Aussteigen schnell zu noch größerer Verwirrung und Verlorenheit führen würde. Also wird der kurze Abstecher über Tema, Community 1 in Kauf genommen. Dort angekommen macht sich klein Carolinchen selbstbewusst auf den Weg, nun dann endlich das richtige Trotro zu finden und begibt sich in die Fänge des Straßenverkehrs. Der Weg: Unbekannt. Das Trotro: Nicht zu finden. Die Leute: zu viele. Aber: der Weg ist das Ziel. Rumstehen hilft nichts, losgelaufen, nachgefragt, siehe da: tatsächlich das richtige gefunden. Der Rest der Geschichte: eher unspektakulär, generell aber mit Wiederholungseffekt. Klein Carolinchen erreicht ihr Ziel und ihre Freunde nach gut drei Stunden. Statt vielleicht einer/eineinhalb. (Für eine Strecke, die man in Deutschland in knapp 20 Minuten überwinden kann).

So. Der eigentliche Sinn dieser kleine Anekdote aus meinem, ähm, klein Carolinchens hiesigem Leben liegt in der Schlussfolgerung. Wie so oft im Leben.
Ich hätte:
  • verzweifelt weinend zusammen brechen können.
  • aufgeben und nach Hause umkehren können.
  • mich verloren fühlen und dadurch verloren gehen können.
  • etc./malt euch Schlimmeres aus, wenn ihr sonst nichts zu tun habt.
Was ich stattdessen gemacht hab:
  • innerlich gelacht. Ziemlich laut sogar.
  • mich über den Atlantik gefreut, den ich so zu Gesicht bekam.
  • die Zeit genossen, in der ich Ruhe hatte, da ich gar nichts anderes hätte tun können.
  • die Stille (muhaha) genossen, da mein Handyakku zu gering zum Musikhören war.
  • Mich gefreut, da mir Gegenteiliges auch wenig gebracht hätte.
  • Die Zeit genutzt, Gott für all die kleinen Dinge zu danken (die Sonne; das Meer; mein Leben (gar nicht mal so klein); den bequemen Trotrositz; die Zeit, die ich hab; die Zeit, die ich hier im Allgemeinen genießen darf; die Leute, mit denen ich mich treffen darf; etc,etc,etc, da gibt’s immer ganz schön viele Kleinigkeiten...)
Und dann haben wir uns im Team in der letzten Woche auch noch mit Psalm 103 „Lobe den Herrn“ beschäftig (was zu einem Dauerohrwurm führte:10.000 Reasons) und ich fühlte mich in meinem Erlebten nur bestätigt: Lobe den Herrn, egal was die äußeren Umstände sagen! Lobe den Herrn, Er weiß schon, was die Lösung sein wird. Lobe den Herrn, Er wird etwas Gutes daraus entstehen lassen. Lobe den Herrn, alles andere bringt Dir grade sowieso nur schlechte Laune.

        „Lobe den Herrn, meine Seele, und seinen heiligen Namen!

        Was er Dir Gutes getan hat, Seele, vergiss es nicht! Amen.“

Oft fragen wir nur nach menschlichen Lösungen (was mich in meinem Fall an einen uneingeplanten Ort führte) und vergessen Gottes Pläne, die die oftmals besseren Lösungen beinhalten, auch wenn das auf den ersten Blick nicht ganz so offensichtlich scheint. Was man in so einem Moment machen kann und vielleicht sogar sollte, hab ich versucht: Trotz allem, Lobe den Herrn! Praise the Lord!
Und wie machst DU das so?



(Bilder im Allgemeinen folgen, wenn mein klitzekleines Laptop – USB-Stick – Speicherkarten – Virus – Problem behoben ist..)


Sonntag, 1. Dezember 2013

diesdasAnanas (aber immer frisch!)

Seit 'nem guten viertel Jahr jetzt
schnupper' ich schon Ghanaluft,
ist zwar nicht der schönste Duft,
doch die Zeit, die hetzt und hetzt.

Dass heut' schon der Advent beginnt,
geht in meinen Kopf nicht rein,
doch ich mag es, hier zu sein
und bin Ghana gut gesinnt.

Gestern hat es schön gewittert,
das war ein famoser Spaß,
endlich wird’s hier auch mal nass,
nur die Hunde ham gezittert.

Mist. Nun hab ich angefangen,
schöne Reime aufzurei'n
doch schon jetzt würd' ich gern schrei'n,
weil es keinen Spaß mehr macht. (hah! Kein Reim, ich Halunke)

Aber um den Schein zu waren
und auch für die Heiterkeit
bin ich natürlich gern bereit,
mit dem dichten fortzufahren.

Das hat sich zwar schnell verfasst,
aber wenn ich ehrlich bin
klatsch ich's lieber nicht nur hin,
so, dass es in Reimform passt.

Also ist jetzt Schluss mit lustig,
folgen wird ein „Kurzbericht“,
der wohl für sich selber spricht
und mich nicht so schnell macht frustig.


Thihi, also Freunde, ich könnte zwar vielleicht alles weiter in ein Gedicht reinstopfen, aber ich würd gern heute noch endlich mal wieder was veröffentliche und ich kann meine kreative Motivation nirgends finden. Vielleicht weil Sonntagabend ist. Oder weil die vielleicht über Weihnachten nach Hause geflogen ist, um die Adventszeit zu genießen. Advent. Haha. Also wirklich. Hier warn heute 33°C und ich weiß nicht, ob ich dieses Jahr überhaupt sowas wie Weihnachtsstimmung verspüren werde, aber man wird sehen..
A Propos: frohen ersten Advent! Ich hoffe ihr wisst, warum Weihnachten gefeiert wird...


Die letzten Wochen jetzt zusammen zu fassen wäre 1. irgendwie zu viel verlangt (aufschreibetechnisch, aber auch lesetechnisch für euch) und 2. komm ich schon nicht mal mehr mit meinem Tagebuch klar, ich weiß also schon gar nicht mehr, was ich so gemacht hab. Spaß. :D
Auf jeden Fall aber kann ich sagen, dass ich unglaublich viel erlebe und wahrscheinlich allein deswegen die Zeit rennt wie 'ne Verrückte. Ich weiß auch nicht, welchen Blumentopf die damit gewinnen möchte.. 


Ich hab zwar keinen Blumentopf gewonnen, dufte mich aber dennoch
vor einiger Zeit schon hierüber freuen:       Danke, Matzispatzi! :)














Die Schüler schreiben jetzt fast alle Exams: die armen Schweine haben dann immer mindestens eine Woche jeden Tag eine andere Prüfung – und bei uns wird über drei Klausuren in einer Woche geweint! Deshalb (und weil Prosper grad ein bisschen mit Malaria ausgeschaltet war: ihr dürft gerne beten!) hatten wir grade in den letzten zwei Wochen nicht ganz so viel Programm in den Schulen, dafür aber in der Gemeinde umso mehr. Wir haben mal wieder mal ein Prayer-Festival und damit theoretisch jeden Abend Programm. Jeden Abend hin zu gehen, wär zwar wahrscheinlich echt wertvoll, aber auch mindestens genau so anstrengend, denn an der Aufstehzeit ändert das späte nach Hause kommen schließlich nichts... Aber es lohnt sich wirklich dort zu sein, Gott ist echt ein krasser Typ!
(God is Love) Am Freitag hatten wir einen Gastprediger, der irgendwann für einen Mann gebetet hat, dessen eines Bein ca. 5cm kürzer war, als das andere: und es ist während dessen GEWACHSEN! Habt ihr schon mal einen Knochen binnen Sekunden wachsen sehen?! Ich bin noch immer ein bissssschen geflasht.. Da sagt mal ruhig, dass Gott heutzutage keine Wunder mehr tut.. Gegenteil gesehen und auch oft genug schon selbst erlebt!
 

Gestern warn wir wieder im Waisenhaus, das wir ja jetzt regelmäßig alle zwei Wochen besuchen, und ich weiß nicht, ob ich einfach auch schon wieder immer weiter abstumpfe, oder einfach mittlerweile ein bisschen weiß, worauf ich mich einstellen kann. Die Zustände sind nach wie vor echt nicht Kindheitswürdig und ich würde gern mehr machen können. Immerhin kennen uns die Kinder dort nun auch immer besser und heißen uns schon herzlich willkommen (gestern haben wir sogar ein Lied gesungen bekommen...).

Trotzdem: nach wie vor auch die Herausforderung an euch, dankbar zu sein und zu bleiben für all die kleinen und großen Dinge in unserem Leben, die wir so oft als selbstverständlich hinnehmen!
 

Denkt mal wieder drüber nach, ab und zu mal an mich und genießt die Adventszeit während mir hier der Schweiß läuft... Liebe Grüße + nen Segen aus der Wärme in die Kälte (oder wo auch immer Du grad bist, wenn Du das liest. )